Krauthappel & Co – Wiens skurrile Bauten

22. Juni 2017 • KUNST & KULTUR, Wien

Der Wiener Volksmund hat Begriffe für fast alles im Leben, so auch für viele bekannte Gebäude in Wien, teils durch die Geschichte geprägt, teils einfach durch ihr ungewöhnliches Aussehen. Wir haben uns auf die Suche gemacht und die lustigsten Gebäudenamen aus Wien herausgesucht!

Das sind sie – unsere Top 9 Bauten, beziehungsweise Areale, deren Bezeichnungen treffender nicht sein könnten! Falls ihr einmal Wien besucht, werdet ihr die folgenden Bauten mit ganz anderen Augen sehen!

Das Haus ohne Augenbrauen

Kurz nach der Errichtung des Looshauses am Michaelerplatz, war es ein Schock für die Bürger Wiens. In der sonst so historisch geprägten Architektur Wiens stand auf einmal ein moderner, funktioneller und schlichter Bau. Da ihm gänzlich die damals übliche Fensterverdachung fehlte, wurde das Haus von den Wiener liebevoll „Haus ohne Augenbrauen“ genannt. Die Missachtung des Hauses soll sogar soweit  vorangeschritten sein, dass Kaiser Franz die zum Haus blickenden Fenster zunageln ließ, um den Anblick nicht ertragen zu müssen.

Looshaus, 

 

Krauthappel

Es sticht zweifelsohne zwischen den anderen Bauten hervor. Es hat eine goldene Kuppel, die zwar sehr an die Karlskirche erinnert, aber aus vielen kleinen Blättern besteht. Das Gebilde erinnert die Wiener an einen überdimensionalen goldenen Krautkopf – eigentlich auch ganz passend, das der Naschmarkt gleich danach beginnt.

Wiener Secession, Friedrichstraße 12, 1010 Wien

Wiener Secession

Wiener Secession FC: Schaub-Walzer / PID

Liesl

Das eigentliche Polizeigebäude führte ursprünglich an der Elisabethpromenade entlang, die dann in Rossauer Lände umgetauft wurde. Die Wiener behielten die Originaladresse aber in Gedanken immer bei sich und tauften das Polizeigebäude liebevoll Liesl. Auch Bruno Kreisky schrieb während seines Gefängnisaufenthaltes in seinen Memoiren über die Liesl, obwohl die Promenade zu dieser Zeit gar nicht mehr existierte.

Polizeianhaltezentrum Wien, Roßauer Lände 9, 1090 Wien

 

Graues Haus/Landl

Wenn ein Wiener vom grauen Haus redet, könnte er fast jedes Haus meinen. Aber DAS Graue Haus oder das Landl ist nur eins – das Landesgericht für Strafsachen. Das Landesgericht in der Landesgerichtsstraße im 8. Wiener Gemeindebezirk hat eine schlichte, graue Außenfassade – wahrscheinlich ausschlaggebend für die Bezeichnung „Graues Haus“.

Landesgericht für Strafsachen, Landesgerichtsstraße 11, 1080 Wien

 

Lemoniberg

Dieser Ort erinnert an grausame und schreckliche Begebenheiten aus der Vergangenheit. Heute sind dort wundervolle Grünflächen und die imposante Jugendstil Kirche, erbaut von Otto Wagner. Die Anlage verführt zum Spazierengehen, aber auch zum Nachdenken. Die Kirche selbst gilt als eine des schönsten Jugendstil Bauten Wiens. Oben am Dach thront eine riesige goldene Kuppel, die die Wiener an eine halbe Zitrone erinnert, deswegen nennt man das Gebiet auch scherzhaft Lemoniberg.

Otto Wagner Kirche, Baumgartner Höhe 1, 1140 Wien

Otto Wagner Kirche

Otto Wagner Kirche FC: Schaub-Walzer / PID

 

Guglhupf

Im Alten AKH wurde die erste Psychiatrische Klinik der Welt erbaut. Es ist ein runder, großer Turm mit vielen kleinen Fenstern, der heute das Pathologisch-anatomische Bundesmuseum beherbergt. Der Turm wurde in der Zeit von Kaiser Joseph II. errichtet und bekam von den Wienern, dank seiner runden Form, den Beinamen Gugelhupf verliehen.

Narrenturm, Uni Campus, Spitalgasse 2, 1090 Wien

 

Ratzenstadl

Als Wien noch nicht so groß war und es noch viele Vorstädte gab, entwickelte sich zwischen Laimgrub und Gumpendorf, vom Wienfluss aus kommend der Magdalenengrund. Da es an einem steilen Hang lag, wurden die Häuser eng und verwinkelt in die Anhöhe gebaut. In den Gässchen war es klein und finster und das Areal litt unter Wassermangel und Ungeziefer. Anfangs wurde es der Saugraben der Wiener genannt und später dann Ratzenstadl. Im Zuge der Renovierung nach dem 2. Weltkrieg wurde das komplette Areal abgetragen und neu errichtet.

Magdalenengrund, zwischen Wienfluss und Kaunitzgasse, 1060 Wien

 

Spargelburg

In Wien findet man noch viele ehemalige adelige, repräsentative Wohnsitze, die mittlerweile anderweitig genutzt oder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Eines davon ist das Palais Coburg, in dem sich neben einem namhaften Unternehmen, ein Luxushotel und zwei Restaurants befinden. Durch die prägenden Säulen beim Eingangsbereich, gaben die Wiener ihm den treffenden Beinamen „Spargelburg“.

Palais Coburg, Coburgbastei 4, 1010 Wien

Palais Coburg

Palais Coburg FC: Palais Coburg Hotel Residenz

Cottage Viertel

Der Rückzugsort der Reichen. Ursprünglich war geplant, dass man dem Bürgertum Wiens eine Familien- und Gartenidylle erschafft. Vorbild dafür war England, beziehungsweise englische Siedlungen – so genannte Cottages. Durch die damals übliche wienerische-französische Aussprache wurde das cottage als kotahsch gesprochen und ist bis heute die bezeichnende Benennung für das prachtvolle Villenviertel.

Cottage Viertel Währing und Döbling, Türkenschanze, 1180 und 1190 Wien

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